Wie schreibt ihr einen Prolog für euren Roman?

Prologe. Manche lieben sie, manche hassen sie. Aber wie schreibt man eigentlich einen Prolog? Und – was viel wichtiger ist – braucht ihr einen oder nicht?

Falls jemanden meine wertlose Meinung interessiert: Ich bin kein Fan. Was nicht heißt, dass irgendetwas gegen Prologe an sich einzuwenden ist!
Ich bin zwar jetzt niemand, der sie beim Lesen überspringt, ich würde nur selbst keine verwenden, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass ich es absolut muss. (Was übrigens auch die richtige Herangehensweise ist, aber dazu später mehr.) Der erste Teil von Molintery Warriors wird jedenfalls keinen Prolog haben. Sorry.

Vielleicht habt ihr letztens meinen Beitrag zum ersten Kapitel eines Buches gelesen und denkt euch jetzt, dass ihr nicht einfach so mit der Haupthandlung anfangen könnt. Tja, da kommt dann vielleicht ein Prolog ins Spiel. Aber das gucken wir uns heute alles ganz in Ruhe an.

Was ist ein Prolog?

Dieses Ding am Anfang eines Buches, bei dem ich immer die Augen verdrehe.

Nee, Spaß.
Selbst ich sehe ein, dass ein guter Prolog für ein Buch absolut notwendig sein kann.

Also beantworten wir doch mal die Frage: Was ist ein Prolog überhaupt?

Na ja, zunächst mal ist er kein Vorwort. Ein Vorwort ist meistens ein kurzes Geschreibsel des Autors, in dem den Lesern fürs Lesen gedankt wird oder was weiß ich. Nachdem ich mich eben auf Prolog-Suche in meinem Bücherregal begeben habe, habe ich ein Buch gefunden, das sowohl ein Vorwort als auch einen Prolog enthält: „Alliances – A Trick of Light“ von Stan Lee und Kat Rosenfield.

Im Vorwort meldet sich hier Stan Lee (R.I.P.) selbst zu Wort, erzählt ein bisschen was über die Geschichte und lädt uns Leser ein, sie nun mit ihm zusammen zu erleben. Sowas ist ein Vorwort, aber kein Prolog.

Ein Prolog ist sozusagen eine kleine „Mini-Geschichte“ vor eurer eigentlichen Geschichte. (Ja, ich weiß, dass ihr das alle schon wisst, aber jetzt haltet doch mal kurz die Luft an.) Dennoch hängt diese „Mini-Geschichte“ aber unmittelbar mit eurer Haupthandlung zusammen, bedingt sie möglicherweise sogar.

Er zeigt etwas, das ihr in der Geschichte selbst nicht zeigt. Entweder liegt das daran, dass sich diese „Mini-Geschichte“ lange vor eurer eigentlichen Handlung zugetragen hat oder möglicherweise lange danach. Vielleicht wird sie auch aus der Sicht eines Charakters erzählt, dessen Perspektive wir danach nie wieder erleben. Oder vielleicht gibt es einen ganz anderen Grund dafür, dass diese Handlung sich von dem Rest der Geschichte abhebt. Schließlich ist das irgendwo der Sinn eines Prologs. Wenn ihr einen schreibt, der den Lesern nichts verrät, was sie nicht auch sowieso in der Story gesehen hätten, braucht ihr ihn nicht.

Im Zweifel braucht ihr keinen

Und das meine ich genau so, wie ich es geschrieben habe. Wenn ihr euch nur aus Prinzip fragt, ob ihr einen Prolog schreiben solltet, weil all eure liebsten Fantasy-Romane einen haben und „weil Bücher doch einen brauchen!“, lasst es sein.

Ihr müsst euch eigentlich immer, aber besonders bei der Frage, ob ihr einen Prolog schreiben solltet, fragen: „Braucht mein Buch das wirklich?“

Ist eure Antwort „Äh“, ist die tatsächliche Antwort wahrscheinlich „Nein“.
Versteht man euer Buch oder euer erstes Kapitel definitiv nicht ohne diese kurze „Mini-Geschichte“ am Anfang, dann solltet ihr tatsächlich eine schreiben.

Betrachten wir mal den Roman „Rowan & Ash“ von Christian Handel, der (meiner Meinung nach) einen sehr gelungenen Prolog hat. Dort wird die Sage rund um das „Schattenlabyrinth“, um das es im Verlauf des Buches gehen wird, erzählt wie eine kleine Geschichte. Zunächst einmal unabhängig von der eigentlichen Handlung.

Ohne das Wissen, das man hier am Anfang des Buches erhält, ist es schwierig, überhaupt in die tatsächliche Handlung einzusteigen, weil die Charaktere diese Sage häufig thematisieren und sie nun einmal der größte Teil der Geschichte ist. Abgesehen von der Liebesgeschichte, natürlich. Sind beide wichtig. Sehe ich ein.

Aber ohne diesen Prolog gibt es keine Geschichte. Und genau so sollte das funktionieren. Man erhält das Wissen und steigt damit in die Geschichte ein, sodass man sich mit Hilfe der gewonnen Informationen in die Handlung hineinstürzen kann.

„Der Prolog ersetzt also das erste Kapitel?“

GOTT, NEIN.

Ich gehe jetzt mal nicht davon aus, dass ihr euch so eine Frage tatsächlich gestellt habt, denn natürlich braucht ihr ein erstes Kapitel. Schließlich müsst ihr dort im Zweifelsfall noch euren Protagonisten vorstellen.

Was aber vielleicht etwas schwieriger zu begreifen ist: Auch wenn euer Prolog selbstverständlich einen Aufhänger beinhalten muss, um die Leser neugierig zu machen, sie zu „hooken“, braucht euer erstes Kapitel unbedingt auch einen. Das steht gar nicht zur Debatte.

Aber was hier wichtig ist: Euer Prolog benötigt unter allen Umständen ebenfalls einen solchen Aufhänger.
Natürlich wird das Erste, was die meisten Leser lesen, der Prolog sein, deshalb ist das unumgänglich.

Schauen wir uns dafür mal den zweiten Teil meiner liebsten Fantasy-Reihe überhaupt an: „Bartimäus – Das Auge des Golem“.

(Bei der „Recherche“, also dem Blick ins Buch, ist mir übrigens aufgefallen, dass die erste Seite bei mir einen Knick hat. Wer auch immer das war, ich werde dich finden und ich werde dich töten.
Na gut, vermutlich war ich es, aber die Drohung steht trotzdem.)

Auch hier gibt es einen Prolog, den ich ziemlich klasse finde. Er spielt im Jahre 1868 in Prag, also in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort als der Rest der Handlung. Dennoch ist die „Mini-Geschichte“, die in diesem Prolog erzählt wird, unmittelbar mit der Handlung des eigentlichen Buches verknüpft. Wir lernen einen wichtigen Charakter und seine Macht kennen, sehen, wie Prag fällt und mehr. Außerdem verwandelt Bartimäus‘ Charakter an sich die Szene schon in ein wahres Vergnügen.

Diese Szene hätte im Rest der Handlung allerdings keinen Platz gefunden, hätte höchstens lieblos als Exposition erzählt werden können, aber so erleben wir als Leser sie hautnah und erfahren alles Wichtige, was wir für das Verständnis der Geschichte wissen müssen.

Außerdem: Krieg, yay! Also… fiktiver Krieg.
Im Prolog geht bereits einiges zu Bruch, es gibt Kämpfe, das ganze Programm. Ein Aufhänger.

Wenn ich gähne, schreibt ihr das nochmal neu

Apropos Aufhänger. Wisst ihr, was der Tod eines jeden Prologs ist?

Exposition.
Ich habe viele Probleme mit falsch gehandhabter Exposition, aber am schlimmsten ist das bei Prologen. Ein Todesurteil.

Ihr schreibt einen Prolog, damit ihr die darin enthaltenen Informationen nicht stumpf in eurem Buch herunterrattern müsst! Also lasst die Exposition zumindest für diesen Moment mal stecken und gebt den Lesern etwas Action und Spannung.

Was dazu gehört: Macht es kurz. Ein Prolog sollte nicht länger sein als ein normal langes Kapitel in eurem Buch. Wenn ihr die „Mini-Geschichte“ zu interessant findet und sie unbedingt in zehn Kapiteln erzählen müsst, dann schreibt doch ein Prequel. Aber euer Prolog sollte flott die Aufmerksamkeit eurer Leser gewinnen und dann eigentlich auch schon vorbei sein.

Ein gutes Beispiel ist da „The Savior’s Champion“ von Jenna Moreci.
Der Prolog ist gerade einmal vier knappe Seiten lang, liefert den Lesern nur kurz alle Infos ab, die sie fürs Verständnis haben müssen, und ist dann sofort wieder vorbei.

Ach ja – und er hat ein offenes Ende.
Das ist ebenfalls extrem wichtig bei Prologen. Ihr wollt eure „Mini-Geschichte“ nicht vollständig abschließen. Das Beste wäre es, wenn eure Leser den Prolog beenden und sich sofort fragen „Und dann?“.

In „The Savior’s Champion“ ist genau das der Fall. Wir verfolgen die Flucht einer schwangeren Frau. Vor was sie flieht, erfahren wir gar nicht. Als sie dann ermordet wird, erkennen die Dorfbewohner, dass es sich bei ihr um „The Savior“ gehandelt hat. Sofort schält eine Frau sich aus der Menge und erklärt, dass das Kind im Bauch der Toten gerettet werden müsse und macht sich an die Arbeit. Nachdem das Kind dann auf der Welt ist, beginnt die eigentliche Geschichte, die einige Jahre später spielt. Mehr erfahren wir erst einmal nicht über die tote Frau, die Retterin ihres Kindes oder das Kind selbst.

Was hier eigentlich abging, warum die Frau ermordet wurde und was es mit dem Konzept „Savior“ überhaupt auf sich hat, erfahren wir erst im Verlauf der Geschichte. Möglicherweise auch erst im Verlauf der Reihe.

Wie ihr vielleicht erkennt: Das ist ein guter Prolog. Kurz, aufregend und macht neugierig.

Ein „Fazit“

Vielleicht oder vielleicht auch nicht ist es euch aufgefallen: Dieser Beitrag hier ist deutlich kürzer als meine anderen. Aber das liegt einfach nur daran, dass es zum Thema „Prolog“ ehrlich gesagt nicht allzu viel zu erzählen gibt.

Ihr braucht einen? Super, haut rein.
Ihr braucht keinen? Super, dann lasst stecken.

Das ist wirklich alles, worauf es letztlich hinausläuft. Schlussendlich müsst ihr entscheiden, was für euer Buch das Beste ist.

Eine Zusammenfassung für Besucher der vierten Terrasse des Läuterungsberges

  • Was ist ein Prolog?
    • Eine kurze „Mini-Geschichte“ vor der eigentlichen Handlung des Buches
    • Losgelöst von der Handlung, aber dennoch direkt mit ihr verknüpft
    • Spielt zum Beispiel lange vor/nach der Geschichte, ist aus der Sicht eines anderen Charakters geschrieben als der Rest &c
  • Im Zweifel braucht ihr keinen
    • Ein Prolog ist nur notwendig, wenn die Leser die übrige Handlung nicht ohne die Information verstehen können, die sie in ihm erhalten
    • Ansonsten: Lasst es sein
  • Der Prolog ersetzt nicht das erste Kapitel
    • Sowohl der Prolog als auch das erste Kapitel brauchen einen Aufhänger
  • Macht ihn spannend
    • Kein Platz für Exposition, zeigt den Lesern stattdessen die Informationen, die sie erfahren müssen, mit Hilfe der Szene, die ihr eben am Anfang beschreibt
    • Verwendet ein offenes Ende, um die Neugierde der Leser zu wecken

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