Wie ihr romantische Beziehungen für euer Buch schreibt

Ah. Ich verstehe schon. Ihr wollt also mindestens eine romantische Beziehung in euer Buch einbauen. In Ordnung. Kriegen wir hin.

Disclaimer: In diesem Post geht es um gesunde, funktionierende Beziehungen. Egal, ob ihr absichtlich Beziehungen schreiben wollt, die nicht funktionieren und toxisch sind, oder es mehr oder weniger versehentlich getan habt, euch aber weigert, das zu ändern, hier geht es ausschließlich um gesunde, gute Beziehungen.

Disclaimer 2: Ich will keine Kommentare à la „Oh, ich mag gar keine Romanzen und/oder romantische Subplots“ lesen. Es ist schön, dass ihr den Kram nicht mögt. Herzlichen Glückwunsch. Ihr dürft euch gerne besonders fühlen, ist mir egal. Ich schreibe jetzt trotzdem Tipps zu dem Thema.

(Meine Güte, das klang deutlich aggressiver, als ich das beabsichtigt hatte. Nichts gegen euch. Liebe und so.)

Okay, herzlichen Dank. Dann würde ich mal sagen… auf geht’s, wa?

(Wieso habe ich das Gefühl, als würde ich für diesen Beitrag hier gelyncht werden?)

TRIGGERWARNUNG: Ich werde in diesem Beitrag flüchtig über physische und psychische Misshandlung sprechen. Generell empfehle ich euch, vom Lesen dieses Posts abzusehen, wenn Themen, die mit toxischen Beziehungen zusammenhängen, euch triggern könnten. Passt auf euch auf.

Moment, Moment, Moment, wir sind noch nicht soweit

Ihr dachtet wirklich, wir würden jetzt einfach so anfangen, oder? Hahahahahahaha, süß.

Nein, denn bevor wir hier überhaupt mit der Romantik anfangen, möchte ich erstmal, dass wir alle in der Lage sind, vernünftige Beziehungen aufzubauen. Keine romantischen. Einfach nur Beziehungen zwischen Charakteren. Und dafür lest ihr bitte jetzt mal diesen Beitrag hier und kommt dann zurück. Brav.

„Blaenk, brauche ich denn unbedingt eine Liebesgeschichte in meinem Buch?“

Nein.

„Blaenk, muss eine gute Beziehung mit physischer Nähe und Berührung verbunden sein?“

Nein.

„Blaenk, gibt es nur heterosexuelle, monogame Liebesbeziehungen?“

Nein.

Instalove ist blöd und wir alle wissen es

„Instalove“, das Phänomen, bei dem zwei Charaktere sich kennen lernen und sofort Hals über Kopf ineinander verliebt sind. Nach zwei Seiten küssen sie sich, nach drei weiteren Seiten sind sie verheiratet und füreinander sterben würden sie schon auf der ersten Seite.

Leute. Das kann doch nicht ernsthaft irgendwer gut finden, oder?

Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen sofortige Anziehung zwischen Figuren. Und ich habe auch nichts gegen Beziehungen, die auf einem Crush basieren, der schon beim ersten Treffen entstanden ist. Fast jeder verknallt sich mal beim ersten Treffen in irgendwen. Und wenn dann daraus was entsteht? Super!

Auch gegen Beziehungen, die aus One-Night-Stands entstehen, ist so pauschal erstmal nichts einzuwenden.

Aber meine Güte, Leute, erspart mir dieses „Ich liebe dich so sehr. Du bist der Teil meiner Seele, der ewig im Dunkel wanderte. Wie konnte ich je ohne dich leben? Wie könnte ich je ohne dich leben?“ beim zweiten Treffen.

Erstens ist das völlig unrealistisch. Sowas passiert nicht. Sorry. Liebe ist etwas, das sich graduell aufbaut. Sorry. Aber es ist so. Sorry. Warum entschuldige ich mich? Es tut mir nicht leid.

Und zweitens – was viel wichtiger ist – so wird niemand die Beziehung zwischen euren Charakteren anfeuern. Niemand. Denn das da ist keine Beziehung. Das ist einfach nur seltsam und beunruhigend. Stellt euch mal vor, jemand würde euch beim zweiten Date Liebeserklärungen machen. Das wäre nicht romantisch, das wäre creepy.

Gebt den Lesern echte Gründe, warum diese Charaktere sich ineinander verlieben. Zeigt ihnen, wie sie einander ergänzen, wie sie zusammen Spaß haben und wie sie das Leben des/der anderen verbessern.

Hört auf damit, verdammt nochmal!

Das ist heute ein echt aggressiver Beitrag, kann das sein? Aber ich habe halt einfach viel Leidenschaft für dieses Thema. Seht das alles also bitte nicht zu ernst. (Die Tipps schon, aber nicht meine Wutausbrüche.)

Okay. Zunächst einmal: Wie wäre es, wenn wir aufhören, toxische Beziehungen als gut und erstrebenswert zu verkaufen? Hm? Klingt das nach einer Idee?

Ich entschuldige mich jetzt schon mal bei allen, denen ich mit meiner folgenden Aussage auf die Schuhe trete, aber die Beziehung in Fifty Shades of Grey ist nicht gut. Sie ist nicht gesund, sie ist nicht schön. Christian stalked Ana die Hälfte der Zeit, verhält sich wie ein absoluter Vollidiot und das alles wird mit einer traurigen Vergangenheit gerechtfertigt. (Und ich musste das alles gerade definitiv nicht googeln. Sorry. Bin kein Fifty Shades-Profi.)

Kurze Randinfo: Toxische Beziehungen sind nicht wünschenswert und sollten nicht beschönigt werden. Okay, danke.

Wenn ich noch ein einziges Mal den Bad Boy mit der tragischen Vergangenheit lese, vergesse ich mich. Diese Menschen brauchen keine Beziehung. Sie brauchen einen Therapeuten. Rituelle Wutanfälle und inakzeptables Verhalten sind nicht attraktiv.

Die ganze Zeit sind die Protagonistinnen (sorry, aber sind wir mal ehrlich, es sind fast immer Frauen) damit beschäftigt, hinter ihrem Boyfriend zu fegen und ihn zu reparieren. Und was tut er für diese Beziehung?

Ööööhm…

Hm…

Zählt „Er hat ein Sixpack“?

Wie gesagt: Wenn ihr absichtlich ein Negativbeispiel beschreiben möchtet, haut rein, aber mir kann doch keiner erzählen, dass irgendwer solche Beziehungen tatsächlich gerne liest, oder? Oder?

Was hier besonders deutlich wird und was wir uns jetzt endlich mal als Tipp für gute Beziehungen notieren, ist der Aspekt, der besagt, dass alle Charaktere etwas zu ihrer Bindung beitragen müssen.

Es ist nicht gesund, wenn eine Figur sich verhält, wie sie will, und die andere darf hinterher rennen und muss sich schlecht behandeln lassen. Aber hey, keine Sorge, sie wird ihn durch ihre Liebe schon irgendwie „reparieren“. Ganz bestimmt. Eines Tages. Vielleicht, wenn er aufgrund eines Drogenexzesses auf seinem Sterbebett liegt. Ich drücke ihr auf jeden Fall die Daumen.

Gute Beziehungen sollten sowohl die Charaktere als auch die Leser glücklich machen. Klar, es gibt immer mal schwierige Zeiten und manchmal streitet man sich, aber an sich sollte es euren Figuren durch ihre Bindung besser gehen, nicht schlechter.

„Manchmal reicht aber eine Beziehung allein nicht, um eine Person glücklich zu machen, Blaenk.“

Das ist sehr, sehr richtig! Möglicherweise hat einer der Charaktere verschiedene Traumata durchzustehen. Da ist auch die beste Beziehung keine Lösung gegen. Aber an sich gilt: Eine gute Beziehung sollte zumindest einen positiven Einfluss auf das Leben der Charaktere haben, auch wenn sie vielleicht noch nicht alles perfekt macht.

Und wisst ihr, was dabei hilft, dass zwei oder mehr Charaktere eine Beziehung führen, die sie auch tatsächlich glücklich macht?

Sie sollten sich gegenseitig mögen.

Wildes Konzept, ich weiß, aber hört mich an.

Paare streiten sich ab und an. Das ist völlig normal. Aber wenn die Charaktere, deren Liebesgeschichte ihr hier schreibt, sich konstant nur streiten und eigentlich überhaupt nicht miteinander klarkommen, dann solltet ihr den Kram vielleicht nochmal überdenken.

Wie bei einer guten Freundschaft ist es auch bei einer guten romantischen Beziehung unabdingbar, dass die Leser merken, dass eure Figuren einander ganz gut abkönnen.

Besonders, wenn Streitigkeiten in physischer oder (wiederholter) psychischer Misshandlung enden, ist das, was ihr da beschreibt, keine gute Beziehung. Gewalt gegenüber den Liebsten ist nie, nie, nie, NIEMALS cool.

Eine gute Faustregel

Ein Tipp, den ich mal irgendwo in den Kommentaren eines YouTube-Videos gelesen habe, lautete „Wenn zwei Charaktere einander küssen müssen, um den Lesern zu zeigen, dass sie sich lieben, machst du was falsch“.

Das führt uns zurück zum ersten Punkt, bei dem ich euch zum Post über Freundschaften gejagt habe.

Ihr müsst in der Lage sein, eine Beziehung zwischen zwei Charakteren aufzubauen. Ob die sich dann zu einer Liebesgeschichte entwickelt oder nicht, ist dabei egal. Ihr müsst es einfach nur können.

Solange das gegeben ist, zweifle ich nicht daran, dass ihr mit etwas Vorsicht jede Bindung auch zu einer romantischen Beziehung entwickeln könnt.

Und – zu guter Letzt:

„Blaenk, muss ich bei jeder einzelnen physischen Aktivität, die zwischen den Charakteren in meiner Beziehung passiert (z.B. die drei goldenen Ks: Körperkontakt, Küssen, Koitus), darauf achten, dass alle Beteiligten damit einverstanden sind?“

JA. Keine Diskussion.

Eine Zusammenfassung für Besucher der vierten Terrasse des Läuterungsberges

  • Lest diesen Beitrag hier, bevor ihr irgendwas anfasst
    • Faustregel: „Wenn zwei Charaktere einander küssen müssen, um den Lesern zu zeigen, dass sie sich lieben, machst du was falsch“
  • Ihr braucht keine Liebesgeschichte
  • Nicht jede romantische Beziehung beinhaltet Körperkontakt
  • Nicht jede Beziehung ist heterosexuell und monogam
  • Instalove ist furchtbar
    • Unrealistisch
    • Ihr gebt den Lesern dadurch keine Zeit, wirklich emotional in die Beziehung involviert zu werden
    • Nicht zu verwechseln mit sofortiger Anziehung zwischen Charakteren; Crushes beim ersten Treffen treten durchaus auf
  • Toxische Beziehungen sind nicht gut und/oder erstrebenswert <3
    • Beschönigt den Dreck nicht
    • Beide Charaktere müssen etwas für diese Verbindung tun
    • Bad Boys, die sich konstant nur wie Volldeppen aufführen, sind nicht attraktiv und wir sollten sie gemeinsam in den neunten Kreis der Hölle werfen
    • Gute Beziehungen sollten die Leben aller Beteiligten auf eine positive Art und Weise beeinflussen, auch wenn sie sich natürlich mal streiten dürfen
    • Streitigkeiten sollten niemals in körperlicher oder (wiederholter) verbaler Misshandlung enden
  • WENN IHR DINGE SCHREIBT, IN DENEN NICHT ALLE INVOLVIERTEN CHARAKTERE SÄMTLICHEN PHYSISCHEN HANDLUNGEN ZUSTIMMEN, SCHÄMT EUCH.

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