Wie ihr glaubhafte Freundschaften für euer Buch schreibt

Freunde. Wir lieben sie und manchmal hassen wir sie auch. Selten, aber soll ja vorkommen. Aber wie schreibt man sie am besten? Und – was viel wichtiger ist – wie schreibt man sie am glaubhaftesten?

Na ja. Es ist wirklich nicht allzu kompliziert. Wenn ihr den folgenden Tipps lauscht, sie verinnerlicht und anwendet, solltet ihr in null Komma nichts die perfekten Freundschaften erschaffen haben.

Ist nämlich seltsamerweise gar nicht so leicht, wie man denkt.

Na gut, viele denken auch noch, sie hätten die perfekten Freundschaften erschaffen, nachdem sie eigentlich schon längst gescheitert sind und sich irgendeinen Müll zusammengeschrieben haben, aber diese Menschen werden wir heute wohl nicht umpolen.

Da ihr aber offensichtlich lernwillig seid und/oder bereits die allerbestesten (wow) Freundschaften kreiert habt, lasst uns mit dem unsinnigen Palaver aufhören und mit dem konstruktiven Palaver beginnen.

Der Tipp, der schon die Hälfte eurer Probleme löst

Ihr braucht gute Charaktere, um gute Freundschaften zu schreiben.

Und nein, damit meine ich nicht, dass ihr herzensgute Charaktere braucht, um vernünftige Freundschaften hinzukriegen. Eure Figuren dürfen von mir aus so böse sein, wie ihr wollt. Auch Fieslinge haben Freunde, ob man’s glaubt oder nicht.

Nein, ihr braucht Charaktere mit einer ausgereiften, starken Persönlichkeit, die ihr als Autor*in zu einhundert Prozent verinnerlicht habt. Das löst ernsthaft schon mal die Hälfte aller Probleme, die euch im Prozess der Freundschaftsentwicklung begegnen werden.

Wie ihr allerdings Figuren mit einwandfreien und wunderbaren Persönlichkeiten erschafft? Keine Sorge, dafür habe ich selbstverständlich einen Beitrag. Tobt euch aus.

Ich werde bei einigen der folgenden Tipps nochmal darauf eingehen, warum eine starke Persönlichkeit bei einer Freundschaft so wichtig ist, aber auch hier will ich schon mal einen Aspekt ansprechen:

Ihr müsst wissen, wie eure Charaktere mit ihren Freunden umgehen. Das ist natürlich immer unterschiedlich, je nachdem, wie sie so ticken.

Manch einer ist wahnsinnig liebevoll, umarmt seine Freunde ständig und sagt ihnen, wie toll er sie findet. Andere Menschen sind eher zurückhaltend und zeigen ihren Freunden vielleicht durch Gesten, dass sie sie gerne haben. Und wieder andere bringen mehr Freundlichkeit als „Du bist gar nicht so blöd, wie ich dachte“ einfach nicht zustande. Das heißt nicht, dass sie ihre Freunde nicht leiden können, aber ihr wollt doch immer Charaktere schreiben, die innerlich zerbrochen sind und ihre Gefühle nicht zum Ausdruck bringen können, also ta-da.

Es ist schon wichtig, dass ihr wisst, wie eure Figuren mit ihren Freunden umgehen. Sonst wird das alles sehr schwammig und einheitlich. Wir pflegen als reale Personen auch nicht zu all unseren Freunden die gleiche Art von Beziehung.

Mit einigen Freunden albert man hauptsächlich herum, mit anderen führt man stundenlange, tiefgründige Gespräche. Mit manchen macht man beides! Und ich denke, dass die allermeisten mir da zustimmen würden, richtig?

Ein kleiner, aber zu beachtender Unterschied

Schreibt ihr eine Freundschaft, die schon lange existiert, oder eine, die gerade erst entsteht? Kennen die beiden Charaktere einander schon seit Ewigkeiten und sind bereits ein eingeschweißtes Team? Oder habt ihr einfach ein paar Menschen in einen Topf geworfen und steht jetzt vor der Herkulesaufgabe, die alle zu einer leckeren Suppe zu verrühren?

Okay, schwache Metapher. Aber ihr versteht alle, was ich meine!

Für Freundschaften, die gerade erst erblühen, gibt es etwas unfassbar Wichtiges zu beachten: Das Vertrauen.

Klar, wenn ihr zwei Charaktere habt, die schon wie Geschwister sind und sich blind verstehen, müsst ihr da nicht noch Vertrauen aufbauen. Logisch. Aber zwei Menschen, die sich gerade erst kennengelernt haben und keine Erinnerungen oder sowas haben, das sie verbindet, müsst ihr durch Vertrauen zusammenschweißen.

Besonders, wenn ihr zwei oder mehr Charaktere möglichst schnell zu den dicksten Freunden machen wollt, ist es ratsam, sie in sehr schwierige Situationen zu stecken, in denen sie sich gegenseitig ihr Vertrauen beweisen müssen.

Das ist natürlich je nach Genre einfacher oder schwieriger. Wenn die Figuren sich so oder so alle zwei Minuten in einer Leben-oder-Tod-Situation befinden, sollte es möglich sein, ein paar Stellen einzubauen, die zeigen, dass sie sich aufeinander verlassen können.

Die beiden sind zwar schon die allerbesten Freunde, aber benutzen wir trotzdem mal unsere allerliebsten Beispielcharaktere:

Möglicherweise muss Luna Cthulhulesmênda’Achrxa ihren besten Kumpel X’Fa’Z’420’Baby’Yoda vor einem bösen Monster retten, das die beiden attackiert, und dabei ihr Leben riskieren! Dramatisch und effektiv. Immerhin kann X’Fa’Z’420’Baby’Yoda danach wohl kaum behaupten, Luna sei keine gute Freundin.

In einem völlig normalen Romance-Roman ohne jeglichen Fantasy- oder Sci-Fi-Elemente hingegen ist das Ganze schon gar nicht mehr so leicht. Aber euch fällt garantiert irgendwas ein.

Nur so als Beispiel:

Luna und X’Fa’Z’420’Baby’Yoda wechseln mal kurz das Genre. Stellen wir uns vor, die beiden sitzen in einer ganz klassischen YA-Romance-Story in der Schule und bereiten ein Biologie-Projekt vor, das sie morgen abgeben müssen.

Doch plötzlich! X’Fa’Z’420’Baby’Yodas Schwarm schreibt ihm, dass sie in der Stadt ist! Aber schockierende Wendung! Sie ist nur noch eine Stunde lang da!

X’Fa’Z’420’Baby’Yoda ist zwiegespalten: Einerseits will er mit seinem Schwarm Zeit verbringen, andererseits kann er Luna ja nicht einfach alleine lassen.

Aber Luna ist natürlich die fantastische beste Freundin, die sie nun einmal ist, und versichert X’Fa’Z’420’Baby’Yoda, dass sie das Projekt auch alleine fertig machen kann. Wie nett von ihr! X’Fa’Z’420’Baby’Yoda ist ihr unglaublich dankbar und kann mit seinem Schwarm Zeit verbringen gehen. Selbstverständlich gibt er ihr dafür am nächsten Tag ein Eis aus.

Ihr versteht das Prinzip. Die Figuren müssen sich aufeinander verlassen können. In unseren Beispielen war jetzt jedes Mal die Protagonistin diejenige, die sich aufgeopfert hat, aber das muss natürlich nicht so sein. Beide sollten etwas tun.

Was mich zu meinem nächsten Punkt bringt.

Wechselstrom ist der beste Strom

Richtige Freundschaften sind ausgeglichen. Mal überlegt Partei 1 sich was Nettes für Partei 2 und dann tut Partei 2 vielleicht etwas für Partei 1. Hilft ihr bei der Steuererklärung, was weiß ich.

Gesunde Freundschaften, bei denen eine Partei immer nur gibt und die andere immer nur nimmt, gibt es nicht. Klar könnt ihr über solche Beziehungen zwischen Charakteren schreiben, aber wenn ihr auf eine Freundschaft abzielt, ist das nicht das Verhältnis, das ihr anstreben solltet.

In vielen Büchern, Filmen &c findet man einen „besten Freund“-Charakter. Genauer: Den besten Freund des Hauptcharakters.

Dieser Charakter scheint ausschließlich für den Protagonisten zu existieren. Er hat immer Zeit, wenn der Protagonist ihn braucht, scheint generell kein Leben außerhalb der Handlung des Hauptcharakters zu haben, und betrachtet unseren Protagonisten eigentlich die ganze Zeit über nur mit Herzchen in seinen Augen. Irgendwer muss unserem Helden schließlich immer wieder sagen, wie toll er ist und was er alles kann! Immer und immer und immer und immer und immer wieder.

Das hier geht jetzt an all die lieben Autoren da draußen: Hört verdammt nochmal auf, diese verdammten Charaktere verdammt nochmal zu schreiben, verdammt! Ich bin es leid.

Zum Glück sollte euch hier der erste Tipp ganz gut helfen. Wenn ihr nämlich einfach jedem eurer Charaktere eine starke Persönlichkeit gebt (nicht „stark“ wie „physisch/mental stark“, sondern „stark“ wie „ausgeprägt und durchdacht“), dann dürfte sich der „beste Freund“-Charakter gar nicht erst ergeben.

Jeder Charakter braucht eine eigene Story. Eine eigene Motivation, warum er überhaupt da ist. „Bester Freund“ ist keine Rolle in einer Geschichte. Sorry.

Das Gegenteil ist eigentlich genau so uncool

Hey, wie oft muss ich denn noch von der Mesotes-Lehre anfangen?

Klar, ihr müsst vermeiden, dass der beste Freund nur für euren Protagonisten lebt. Das Gegenteil ist aber genau so schlecht.

Euer Protagonist muss unbedingt auch ohne seine Freunde einen vernünftigen und unterhaltsamen Charakter haben. Hier kommt wieder Tipp N°1 zum Tragen.

Eure Charaktere dürfen sich gegenseitig ergänzen und zusammen besser sein als getrennt, aber sie sollten alleine nicht völlig verblassen und so langweilig werden, dass sie mit ihrer Umgebung verschmelzen. (Was für Metaphern ich heute schon wieder drauf habe, boah. Die sind ja echt richtig … furchtbar.)

Macht eure Figuren nicht voneinander abhängig. Sie sollten auch ohne ihre Freunde funktionieren.

„I like you“ „lol why“

Schaut euch mal eure eigenen Freunde an und fragt euch: „Warum mag ich diese Schwachköpfe überhaupt?“

Irgendetwas fällt einem da immer ein. Und falls dem nicht so sein sollte, ist es möglicherweise an der Zeit, diese Freundschaft zu überdenken. Was jetzt übrigens kein Aufruf sein soll, all eure Freundschaften zu beenden. Das hier ist immerhin kein Lebensratgeber.

Vertrauen verbindet zwei Menschen, da waren wir schon. Aber es gehört noch etwas mehr dazu.

Wenn ihr mit einer Person rein gar nichts gemeinsam habt und auch eure Meinungen und Weltanschauungen nicht zusammenpassen, werdet ihr mit diesem Menschen keine freundschaftliche Beziehung aufbauen. Warum auch?

Und genau so ist es bei euren Charakteren. Wenn ihr versucht, zwei Menschen zusammen zu zwängen, die nichts miteinander gemein haben, wird das nicht hinhauen. Vielleicht haben die Figuren einen ähnlichen Humor. Vielleicht spielen sie alle gerne Baseball. Vielleicht stimmen ihre moralischen Vorstellungen überein, was ihnen dabei hilft, zusammen gegen ein totalitäres Regime vorzugehen, was weiß ich.

Natürlich sollten die Charaktere nicht gleich sein, das wäre ja langweilig. Sie dürfen unterschiedliche Meinungen haben, das sollten sie sogar! Schließlich findet man nur sehr, sehr, sehr selten Menschen, die genau so denken wie man selbst. (Sozusagen nie.)

Aber sie sollten schon einige Gründe haben, einander gut leiden zu können. Meistens mag man Leute nämlich nicht so gerne, die komplett anders sind als man selbst.

Zeige, berichte nicht

Ja, es wird mir so langsam zu langweilig, immer wieder „Show, don’t tell“ zu schreiben. Deshalb „Zeige, berichte nicht“.

Wenn ihr die Beziehung zwischen Charakteren beschreibt, ist es unglaublich, unglaublich, unglaublich wichtig, dass ihr sie zeigt und nicht einfach berichtet.

Besonders wichtig ist das bei Freundschaften, die schon existieren und die nicht erst im Verlauf des Buches entstehen.

Zeigt den Lesern die Kabbeleien der Figuren, dass sie zusammen lachen und weinen können, dass sie sich halt einfach gern haben.

Berichtet ihnen nicht, dass sie schon „die besten Freunde waren, seit sie sich im Kindergarten kennengelernt hatten“. „Sie waren unzertrennlich.“ „Sie waren wie Geschwister.“

Leute, nö.

Es gibt kaum Stellen, an denen ich die Wichtigkeit von Show mehr betonen würde, als bei Beziehungen zwischen Charakteren. Lasst die Leser die Verbindung der Figuren zueinander fühlen, sonst können sie sich einfach nicht vernünftig in sie hineinversetzen und mit ihnen mitfiebern.

Schreibt einfach gute, ehrliche Beziehungen zwischen Charakteren.

Eine Zusammenfassung für Besucher der vierten Terrasse des Läuterungsberges

  • Schreibt vernünftige Charaktere mit einer starken Persönlichkeit
    • Wie geht eure Figur mit ihren Freunden um?
    • Löst das Problem des „besten Freund“-Charakters, der nur für den Hauptcharakter zu leben scheint
  • Baut Vertrauen zwischen den Figuren auf
    • Gilt besonders für Freundschaften, die gerade erst entstehen
  • Alle Charaktere müssen etwas zu der Freundschaft beitragen, keine Einseitigkeit
  • Keine Abhängigkeit, jeder Charakter muss auch alleine unterhaltsam sein
  • Die Figuren brauchen bestimmte Dinge, die sie miteinander verbinden: ähnliche Interessen, Hobbies, Weltanschauungen &c
  • SHOW, DON’T TELL!!! Muy importante!

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