Warum das Schreiben genug ist

„Warum das Schreiben genug ist? Was ist denn das schon wieder für ein seltsamer Stuss, Blaenk?“

Ich höre eure Einwände, eure Zweifel, eure Verwirrung.

Aber fürchtet euch nicht, denn all diese Dinge werde ich mit diesem Beitrag von euren Schultern nehmen. Oder so. Keine Ahnung, wollte poetisch und ominös klingen.

Und damit herzlich willkommen zu einem weiteren Schreibtalk, dem Format, bei dem ich ungefiltert so viel Abfall reden kann, wie ich will! Hier kennen wir weder Differenziert- noch Sinnhaftigkeit. Und das kommt mir gerade echt recht, weil meine To-Do-Liste so langsam länger wird als das Register meiner Todfeinde. Und das ist echt verdammt lang.

Um allerdings wieder auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Warum ist das Schreiben denn genug? Und was soll das überhaupt bedeuten?

Wie gesagt: Keine Angst, wir besprechen das jetzt mal alles ganz in Ruhe.

Was ist „das Schreiben“?

Simpel: Das Schreiben ist das Schreiben.

Was, habt ihr jetzt mit einer Erklärung à la Principia Mathematica gerechnet? Für sowas habe ich nämlich nicht die Aufmerksamkeitsspanne.

Nein, ich meine damit einfach nur euer Schreiben. Eure Leidenschaft für das Handwerk, euer Talent, eure Fähigkeit. Das Konzept an sich.

Aber was soll das in diesem Zusammenhang bedeuten?

„Genug“.

Inwiefern ist es genug? Für wen? Für was?

Marie Lu, der Endgegner

Um auf den wahren Kern dieses Beitrags zu kommen, sprechen wir mal über Marie Lu, eine äußerst bekannte und wunderbare Schriftstellerin.

Keine Ahnung, warum gerade sie mir bei dieser Thematik immer als allererstes in den Kopf schießt, aber es ist so, also muss das schon so passen.

Marie Lu schreibt natürlich wunderbare Bücher und ist dafür wohl auch am bekanntesten, allerdings kann sie auch noch verdammt gut zeichnen. Und noch ein paar andere Sachen, aber wir müssen Fokus in diesen Beitrag kriegen.

Wer ihr auf Instagram folgt, hat vielleicht schon einige ihrer Zeichnungen gesehen, da sie manchmal Skizzen und so etwas postet. Ist echt cool.

Was das mit diesem Post zu tun hat?

Na ja. Vielleicht geht es nur mir so, aber wann immer ich jemandem begegne, der verdammt gut schreibt und dazu auch noch was anderes verdammt gut kann, ist mein erster Gedanke nicht „Mann, diese Person hat wirklich viel Zeit und Kraft in diese Hobbys gesteckt“, sondern leider meistens „Mensch, wieso kann ich das nicht?“

Kein gesundes Mindset, ich weiß. Aber ich versuche momentan, das möglichst umzustellen. Daher auch dieser Beitrag!

Denken wir denn nicht alle ein Stück weit so? Häufig ist die erste Reaktion auf die Talente eines anderen Neid. Und besonders schlimm ist das meistens, wenn diese andere Person auch noch total viele Sachen total gut kann. Allerdings ist diese Denkweise offensichtlich sehr uncool.

Das Schreiben einigermaßen zu beherrschen, reicht einem häufig nicht, immerhin können alle anderen doch auch mehrere Dinge so gut!

Das Schreiben ist genug

Ich gehe mal dreist davon aus, dass alle Menschen, die diesen Beitrag hier lesen, auch selbst schreiben. Warum sollte man sonst den Post „Warum das Schreiben genug ist“ anklicken?

Sehen wir’s doch mal so: Ihr schreibt, weil es euch Spaß macht. Weil es euch erfüllt. Und weil ihr es verdammt gut könnt.

Selbst wenn ihr noch nicht auf dem Level seid, das ihr euch für euer Schreiben wünscht, erreicht ihr das mit eurer Leidenschaft früher oder später problemlos.

Neid hingegen ist extrem unproduktiv. Der wird euch nie weiterbringen, egal wie sehr ihr euch einredet, dass er euch anspornt. Das tut er nicht. Er hemmt nur eure Kreativität und eure Fähigkeit, euch zu entfalten.

Vergleicht euch nie mit anderen, sondern immer nur mit euch selbst. Lest euer altes Geschreibsel nochmal durch und schämt euch die Seele aus dem Leib, weil es so weit von euren heutigen Fähigkeiten entfernt ist. Ruft euch die Zukunftsvision, die ihr von euch selbst habt, vor Augen und arbeitet auf die hin. Dabei ist es auch ganz egal, ob es ums Schreiben geht oder um etwas anderes.

Natürlich ist nichts Verwerfliches daran, Vorbilder oder Idole zu haben, aber wenn der Vergleich mit denen euch nur schadet und nicht nützt, dann hört. Auf. Damit. Simpel, aber effizient.

Wir sind hier nicht bei Fahrenheit 451

Selbstverständlich würde ich euch niemals verbieten, weiterhin Bücher zu lesen. Und ich würde euch auch nicht verbieten, euren eigenen Schreibstil während des Lesens mit dem des Autors zu vergleichen und dadurch zu analysieren, was euch gefällt und was euch eben nicht gefällt. Genau genommen würde ich das sogar unterstützen!

Allerdings ist das kein Wettbewerb. Ihr sollt das nur machen, um festzustellen, was euch gefällt und was nicht. Ihr sollt euch nicht denken „Oh, diese*r Autor*in schreibt so viel besser als ich! Dieses Buch ist so viel besser als mein Manuskript bisher!“

Herzlichen Glückwunsch, das da ist immerhin auch ein fertiggestelltes Buch, das vermutlich eine Milliarde Mal überarbeitet und von ebenso vielen Testlesern kritisch beäugt wurde.

Die Rohfassung eines Romans ist nie gut. Nie. Aber dafür ist sie auch nicht da. Sondern dafür, das Buch überhaupt erstmal entstehen zu lassen. Die Überarbeitung bringt dann die Güte.

Aber falls ihr schon den einen oder anderen Schreibtipp von mir gelesen habt, dann wisst ihr, dass nur die praktische Übung euch wirklich weiterbringt. Also schreibt doch einfach mal. Und macht euch erstmal keine allzu großen Gedanken darum, wie die Qualität dessen ist, was ihr da fabriziert. Je mehr ihr schreibt, desto besser werdet ihr. Also gebt nicht auf, nur weil jemand anderes „besser“ ist als ihr. Ihr kommt da schon noch hin, früher oder später.

Nochmal zurück zu Marie Lu

Nur weil dieser Post hier „Warum das Schreiben genug ist“ heißt, bedeutet das nicht, dass ihr keine anderen Hobbys haben dürft. Versteht sich ja eigentlich von selbst.

Ich will damit lediglich sagen, dass ihr nicht dazu gezwungen seid, alles zu können. Ihr müsst nicht schreiben, zeichnen, singen, musizieren, backen, tanzen, fechten und Bauchtanz können. Besonders nicht, wenn ihr für die Hälfte dieser Sachen eigentlich gar keine Leidenschaft habt und nur mit all den anderen Menschen mithalten wollt, die halt so viele Sachen so gut können.

Marie Lu ist nicht der Feind. Euer bester Freund, der „so viel besser“ singen kann als ihr, ist nicht der Feind. Diese eine Person auf YouTube, die besser in diesem einen Spiel ist als ihr, ist nicht der Feind.

Fokussiert euch nicht auf die Erfolge anderer, sondern auf eure eigenen.

Ihr habt ein Gedicht geschrieben, das euch richtig gut gefällt? Super! Dieser Erfolg wird nicht geschmälert, nur weil Edgar Allan Poe ein, zwei „bessere“ Gedichte verfasst hat.

Ihr seid richtig stolz auf euer Schreiben und es erfüllt euch gänzlich? Klasse! Nur weil ein anderer Autor sich durch harte Arbeit auch noch das Zeichnen angeeignet hat, bedeutet das nicht, dass ihr jetzt gezwungen seid, das Gleiche zu tun. Natürlich dürft ihr zeichnen und ihr dürft so viel Spaß daran haben, wie ihr wollt, aber fühlt euch niemals dazu genötigt, nur weil es euch neidisch macht.

Okay, so langsam entwickelt sich das hier in einen Lebensratgeber, also höre ich mal schnell auf. Ich hoffe, dass dieser Beitrag euch irgendwie geholfen hat. Die Moral: Kümmert euch um eure eigenen Fähigkeiten und Erfolge und messt euch nicht mit anderen.

Ich verstehe, dass es ein Stück weit unmöglich ist, sich nie mit anderen zu vergleichen, aber seid euch einfach im Klaren darüber und so könnt ihr daran arbeiten, dieses Verhalten einzudämmen. Viel Erfolg dabei!

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