So schreibt ihr die perfekten Dialoge für euer Buch

Hach ja, Dialoge. Es gibt wenige Dinge, die ich so gerne schreibe, wie Dialoge. Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, all die Facetten der Charaktere raushauen zu können und die Kleinen aufeinander loszulassen.

Eigentlich wollte ich auch schon viel länger einen Beitrag zum Schreiben von Dialogen posten, aber irgendwie bin ich bisher nie dazu gekommen. Aber was soll’s, richtig? Dafür machen wir daraus jetzt eine richtige Party! Oder so.

Leider werden wir uns heute nicht mit den guten, alten Dialogue Tags beschäftigen, also dem „sagte sie“, „fragte er“ und all dem guten Zeugs. Das sparen wir uns gekonnt für ein anderes Mal auf. Sonst würde das hier vermutlich etwas zu weit gehen und wenn es ganz schlecht läuft, verwirre ich euch dadurch nur.

„Guten Tag. Mein Name lautet Luna Cthulhulesmênda’Achrxa. Ich spreche am liebsten wie ein Roboter.“

Gerade neulich habe ich ein Buch gelesen, in dem die Dialoge zwischen den Charakteren sich angefühlt haben, als setze man zwei unausgereifte KIs voreinander und ließe sie miteinander reden.

„Mir geht es gut.“
„Bist du sicher?“
„Oh ja, das bin ich. Ich danke dir, dass du danach fragst.“
„Aber selbstverständlich tue ich das. Immerhin ist das in dieser Szene meine Aufgabe.“

Nicht ein Fünkchen Persönlichkeit sprach aus den Dialogen und hat etwas über die Charaktere verraten. Nicht eins! Nada!

Die haben einfach kalt das runtergerattert, was halt gerade gesagt werden musste, und dann ging’s mit der Erzählung weiter. Ernsthaft. Mein Toaster hat mehr Persönlichkeit als diese Dialoge.

Pro-Tipp: Lasst eure Charaktere niemals Exposition oder irgendetwas runterleiern, nur weil in diesem Moment halt diese bestimmte Information gesagt werden muss. Besonders dann nicht, wenn alle Charaktere in der Situation die Exposition schon kennen und sie nur für die Leser nochmal völlig unnatürlich wiederholen.

Und was viel wichtiger ist: Ich habe es schon einmal gesagt und ich sage es wieder: Nicht alle Charaktere sind gleich. Nicht alle Menschen sind gleich. Und vor allem sprechen wir nicht alle mit perfekter Grammatik.

Natürlich geben einige Menschen sich beim Sprechen mehr Mühe, die korrekte Grammatik zu verwenden, als andere, aber letztendlich ist Sprache immer etwas Fließendes, so wie Dialoge etwas Fließendes sind. Das erreicht man nicht, indem die Charaktere allesamt so reden, als basierten sie auf demselben Computerprogramm, das einfach nur fröhlich und unpersönlich seine Einsen und Nullen verarbeitet.

Durch die Dialoge der Charaktere muss ihre Persönlichkeit deutlich werden. Falls ihr damit noch Schwierigkeiten habt, kann ich euch nur diesen Beitrag zu Körper- und Charaktersprache empfehlen.

Oder ansonsten auch diesen, der sich generell mit der Erstellung und dem Aufbau eines Charakters befasst.

Oder diese Schreibübungen. Da ist auch eine für Dialoge bei.

Ihr seht also, es gibt keinen Grund zu verzweifeln. Ich habe euch bereits gut eingedeckt.

Die Relevanz der Plotrelevanz

Ich muss mit diesen verdammt verwirrenden Zwischenüberschriften aufhören. „Die Relevanz der Plotrelevanz“. Zwischenüberschriften sollen Aufschluss geben und nicht den Leser noch mehr verwirren, Blaenk!

Worauf ich hinauswill, ist dass ihr nicht einfach völlig zusammenhangslose Dialoge in eure Geschichte reinhaut. So wie mein kleiner Monolog da eben. Hat niemanden weitergebracht.

Klar, für Authentizität und Unterhaltungsfaktor ist es wichtig, dass die Charaktere nicht immer nur Exposition runterrattern.

Aber viele Autoren fangen schnell mal an, aus Lust und Laune siebzig Dialogszenen einzubauen, die weder die Handlung noch die Charaktere in irgendeiner Form weiterbringen. Besonders schlimm ist das bei Begrüßungen. Oder zumindest fällt es mir dort am meisten auf.

„Hallo.“
„Hey.“
„Wie geht’s?“
„Gut. Und dir?“
„Auch.“

Leute. Niemand will Smalltalk führen, geschweige denn ihn lesen!

Jeder Dialog in eurem Buch sollte zumindest in einer losen Verbindung zur Handlung stehen.

Falls ihr euch einer Dialogszene gegenüberseht, sollte eure erste Frage sein: „Was ist das Ziel?“ (Eigentlich ist das bei jeder Szene der Fall, aber ich will eure schwachen Herzen ja nicht überfordern.)

Soll diese Stelle die Handlung vorantreiben?

Erfährt der Leser wichtige Exposition?

Durchlebt ein Charakter hier eine Entwicklung?

Falls euch beim besten Willen nicht einfällt, was diese Szene bezweckt, löscht sie. Ist nicht so schwierig. Da sie scheinbar so oder so keine Relevanz für das Buch hat, sollte es keinen großen Unterschied machen. Abgesehen von der emotionalen Leere, die ihr vielleicht danach fühlt. Aber die hat man immer, wenn man etwas löscht, nicht?

Löscht jetzt aber nicht alles!

Nachdem ich den zuvor erläuterten Tipp gelernt hatte, habe ich erstmal gewaltig Panik geschoben.

„Was darf in meinem Buch bleiben? Muss ich alles rauslöschen? Irgendwie ist das doch alles nutzlos, oder? AAAAAAAAAAAAAAAAH!“

Seid clever. Oder auch: Seid nicht so wie ich.

Dialoge boxen einem meistens mit ihrer Relevanz nicht ins Gesicht. Sie sind da eher subtil und man merkt vielleicht nicht auf den ersten Blick, dass diese Szene möglicherweise doch eine Charakterentwicklung darstellt oder eine wichtige Information für die Leser enthält.

Also atmet erstmal tief durch und denkt lange und gründlich darüber nach, bevor ihr anfangt, alles wie wild auszuradieren.

Was aber außerdem noch sehr wichtig ist: Ihr müsst die richtige Balance zwischen Dialog und Erzählung finden.

Ein Buch, das nur aus Erzählung besteht, besonders wenn es dann auch noch einen auktorialen Erzähler hat oder sowas Heidnisches, kann schnell langweilig werden. Dialoge helfen halt einfach, all dieses seriöse Erzählende aufzulockern.

Allerdings kann man jetzt auch keinen Roman schreiben, der ausschließlich aus Dialogen besteht. Na gut, kann man sicherlich und wäre vielleicht sogar ein interessantes Konzept, wenn man es gut macht, aber besonders konventionell ist es jetzt nicht.

Genau so ist es aber auch im kleineren Maße. Szenen, die ausschließlich aus Erzählung bestehen, können schnell erdrückend auf die Leser wirken. Andererseits können Szenen, in denen fast nur gesprochen wird, entweder etwas anstrengend oder (wenn es ganz schlecht läuft) sogar belanglos rüberkommen.

Da wenden wir uns wieder an Aristoteles und seine Mesotes-Lehre.

Der Mittelweg, Leute, der isset.

Die richtige Menge Erzählung, gepaart mit der richtigen Menge Dialog? Exquisit! So stellt man sich doch den perfekten Roman vor.

Dialog ist nicht gleich Dialog

Für mich gehört zu einem Dialog deutlich mehr als nur das Gesagte. Und hoffentlich bin ich mit dieser Meinung nicht alleine. Denn falls ich das bin, haben alle anderen Unrecht.

Immerhin gibt es ja noch meine heißgeliebte Körpersprache. Ich werde niemals damit aufhören, davon zu schwärmen. Sie wertet euren Kram so sehr auf, Leute, ich verspreche es euch. Probiert es aus. Erfahrt es. Spürt es.

Nicht alles, was ein Charakter sagt, sagt er auch wirklich. Häufig teilen wir unseren Mitmenschen durch unsere Körpersprache noch so viel mehr mit.

Ob wir in Wahrheit traurig sind, wenn wir eigentlich etwas Glückliches sagen. Ob wir wütend sind, obwohl wir versuchen, uns nichts anmerken zu lassen. Ob wir planen, Area 51 zu stürmen, während wir uns eigentlich über das Wetter unterhalten.

Okay, wie genau man Letzteres schreiben würde, weiß ich jetzt auch nicht, aber ihr versteht meinen Punkt.

Beachtet nicht nur das, was tatsächlich laut ausgesprochen wird. Die Körpersprache ist mindestens genau so wichtig.

Eine nett gemeinter Ratschlag zum Abschluss

Lest euren Kram laut, nachdem ihr ihn aufgeschrieben habt.

Natürlich hilft das bei allem, was ihr schreibt, aber besonders bei Dialogen kann das beim Fluss wirklich etwas bringen. Häufig merkt man beim puren Lesen nicht, ob da etwas hakt.

Aber wenn ihr das Gesprochene so vorlest, wie es gesagt werden soll, und dabei am besten sogar ein wenig schauspielert, sollten euch Unstimmigkeiten in neun von zehn Fällen auffallen.

Sonst könnt ihr auch jemand anderen bitten, euch den Kram laut vorzulesen, oder ihn gleich mit der Person aufführen. So Theater-Style. Richtig schön dramatisch am besten.

Eine Zusammenfassung für Besucher der vierten Terrasse des Läuterungsberges

  • Die Persönlichkeiten eurer Charaktere sollten den Lesern aus den Dialogen heraus entgegenspringen
    • Keine steifen, grammatikalisch perfekten Sätze (außer bei Figuren, die halt so reden. Aber niemand redet so)
    • Kein stumpfes Runterrattern von Exposition
    • Nicht jeder Charakter ist gleich, ergo: Sie sprechen unterschiedlich
  • Jede Dialogszene sollte ein Ziel verfolgen, z.B.
    • Vorantreiben der Handlung
    • Exposition
    • Charakterentwicklung
  • Findet die richtige Balance zwischen Dialogen und Erzählung
    • Immer ein bisschen was von beidem. Yin und Yang. So.
  • KÖRPERSPRACHE IST WICHTIG UND TOLL
  • Lest eure Dialoge laut vor (und spielt sich am besten auch), um den Fluss des Gesagten zu überprüfen

Schreibe einen Kommentar