Blaenks Lese-Highlights 2020

Mein Jahr 2020 war lesetechnisch (und wie für viele andere auch generell) eher enttäuschend. Ich bin nur im Januar und im Sommer wirklich zum Lesen gekommen und wenn ich es dann mal geschafft habe, ein Buch zu beenden, war ich meistens nicht allzu begeistert.

Aber in jedem Müllhaufen findet man auch mal einen Schatz. Was jetzt keine Aufforderung ist, Müllhaufen zu durchwühlen.

Tatsächlich gab es in diesem Jahr auch einige Bücher, die mir gefallen haben. Und glaubt mir, das kommt auch in normalen Jahren alles andere als häufig vor, also bin ich an sich schon ganz zufrieden.

Heute möchte ich also diese Highlights mit euch teilen. Als Jahresabschluss, sozusagen. Vielleicht kann ich euch so auf ein paar wunderbare, neue Bücher aufmerksam machen, vielleicht kann ich aber auch eine Diskussion anregen, falls wer die Werke schon kennt. Wenn ihr euch gerne mit mir oder anderen austauschen möchtet, könnt ihr das gerne hier oder auf Instagram tun.

Da ich aus jedem Monat höchstens ein Buch wählen werde und auch nur die im Rennen sind, die von mir mindestens eine Bewertung von 3,5/5 erhalten haben, wird es für einige Monate schlichtweg kein Highlight geben. Tut mir ein bisschen leid, aber wie gesagt: wenige Bücher, kaum gute. Und außerdem will ich euch ja kein Buch vorstellen, das mich nicht überzeugt hat.

Wobei es in einigen Monaten auch mehrere gute Bücher gab und ich dann jeweils das beste ausgewählt habe, also will ich mich nicht allzu sehr beschweren.

Disclaimer: Das hier werden jetzt keine ausführlichen Buch-Reviews, ich möchte lediglich ein paar meiner Highlights mit euch teilen.

Januar

Englischer Titel: „Red, White & Royal Blue“ – Casey McQuiston
Deutscher Titel: „Royal Blue“ – Casey McQuiston


Klappentext:

Als seine Mutter zur ersten Präsidentin der USA gewählt wird, wird Alex Claremont-Diaz über Nacht zum Liebling der Nation: attraktiv, charismatisch, clever – ein Marketingtraum für das weiße Haus. Nur auf diplomatischer Ebene hapert es bei Alex leider ein wenig. Bei einem Staatsbesuch in England eskaliert Alexʼ schwelender Streit mit dem britischen Thronfolger Prinz Henry. Als die Medien davon Wind bekommen, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den USA und England rapide. Zur Schadensbegrenzung sollen die beiden jungen Männer medienwirksam ihre Versöhnung vortäuschen.

Doch was, wenn Alex und Henry dabei feststellen, dass zwischen ihnen eine Anziehung existiert, die über eine Freundschaft weit hinausgeht?
Plötzlich steht nicht nur die Wiederwahl von Alexʼ Mutter auf dem Spiel …

Dieses Buch ist wahrscheinlich mein Jahreshighlight. Wobei das Februar-Highlight definitiv auch nicht von schlechten Highlight-Eltern ist. Aber ich greife vor. Und verwende zu oft das Wort „Highlight“.

Ich habe die englische Variante „Red, White & Royal Blue“ gelesen, weil die deutsche damals noch gar nicht erschienen war und ich bei solchen Büchern sowieso immer die Befürchtung habe, dass die deutsche Fassung nicht an das Original rankommt. Dementsprechend kann ich zur Übersetzung wenig sagen.

Aber zum Original habe ich durchaus ein paar Worte zu verlieren!

„Red, White & Royal Blue“ ist das witzigste Buch, das ich bisher gelesen habe. Jemals. Ever. Ich habe an so vielen Stellen laut auflachen müssen, dass es schon fast ein bisschen traurig ist. Dann lag ich da röchelnd und musste den Roman aus der Hand legen, weil ich erstmal Luft brauchte. Es war schön.

Jeder einzelne Charakter ist so gut durchdacht und geschrieben und obwohl ich jetzt zugeben muss, dass ich dem Nicht-Romance-Plot deutlich weniger Beachtung geschenkt habe als der Lovestory, war auch der an sich echt interessant.

Apropos Lovestory…

Ich persönlich sauge den „Enemies to Lovers“-Trope (beziehungsweise den „Können sich am Anfang nicht leiden und freunden sich dann langsam an/verlieben sich ineinander“-Trope) auf wie Sauerstoff. Und wenn dann auch noch eine verbotene Liebe hinzukommt? Ähm, ja, bitte? Nehmt all mein Geld, ihr Autor*innen.

(Falls übrigens wer ein paar Tipps zum Schreiben von gesunden romantischen Beziehungen braucht: Dieser Post hier ist euer Freund.)

Hinzu kommt noch Casey McQuistons absolut genialer Schreibstil. Meine Güte. Die romantischen Szenen lesen sich wie Butter, die lustigen treiben einem Lachtränen in die Augen, es ist einfach nur wunderbar.

Okay, auf zum nächsten Buch!

Februar

Englischer Titel: „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ – Benjamin Alire Sáenz
Deutscher Titel: „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ – Benjamin Alire Sáenz

Klappentext:

Dante kann schwimmen. Ari nicht. Dante kann sich ausdrücken. Ari fallen Worte schwer. Es scheint so, als wäre Dante die letzte Person, die es schaffen könnte, die Mauern einzureißen, die Ari um sich gebaut hat. Doch trotz ihrer Verschiedenheit werden sie Freunde. Sie teilen Bücher, Gedanken, Träume. Sie beginnen, die Welt des jeweils anderen neu zu definieren. Und entdecken, dass das Universum ein großer und komplizierter Ort ist, an dem man manchmal auch erhebliche Hindernisse überwinden muss, um glücklich zu werden!

Dieses Buch hat mein Leben genommen und es einmal durch die Mangel gedreht. Im positiven Sinne!

Ich kann euch diesen Roman wirklich empfehlen, wenn ihr mal ein bisschen melancholisch sein und/oder flennen und/oder einen anderen Blickwinkel auf die Welt haben wollt. Es ist wahnsinnig emotional-unemotional geschrieben und das ergibt vermutlich keinerlei Sinn, wenn ihr es nicht gelesen habt und nicht in meinem Kopf steckt.

Dieses Buch ist keine Tragödie, aber mir hat es trotzdem ein seltsames, schweres Gefühl gegeben, das ich nicht als „glücklich“ bezeichnen kann. Schön war’s trotzdem. Es ist ein bisschen wie Nostalgie, die aber an nichts Bestimmtes gebunden ist, falls ihr in irgendeiner Form versteht, was ich meine.

Oder auch: Dieses Buch hat krasse Emotionen in mir ausgelöst. Was selten ist. Also besonders.

Aber um mal zu was Konkretem zu kommen: Benjamin Alire Sáenz‘ Schreibstil ist extrem verletzlich und ehrlich und ich finde, dass gerade dadurch Aris Persönlichkeit perfekt zur Geltung kommt. Generell sind die Charaktere unglaublich und vielleicht habe ich nur eine besondere Verbindung zu diesem „Wer bin ich?“-Gefühl, das Ari auch hat, aber ich konnte mich fantastisch in ihn einfühlen.

Die Story findet über mehrere Jahre hinweg statt und man erlebt die beiden Protagonisten sozusagen in ihren (späten) Teenager-Jahren, was mir wahrscheinlich besonders zusagt, da ich ja nun auch noch relativ jung bin, ne? Aber die Gefühle sind meiner Meinung nach so gut dargestellt, dass jeder sie nachvollziehen können müsste. Joah.

Weiter im Text!

Juni

(Was ein Sprung.)

Titel: „Angst“ – Stefan Zweig

Klappentext:

(Spoiler-Warnung: Das Ding hier ist legitim einfach nur eine Zusammenfassung der Novelle. Wenn ihr also vorhabt, das Buch zu lesen, überspringt diesen „Klappentext“.)

Als Stefan Zweigs ›Angst‹ 1928 zum erstenmal verfilmt wurde, hielt ein französischer Kritiker die Vorlage für eine Novelle von Arthur Schnitzler. Das psychologische Raffinement von Zweigs bereits 1912 geschriebener Erzählung erinnert tatsächlich an Schnitzlers erst acht Jahre später entstandene ›Fräulein Else‹.

Stefan Zweig spannt die bewußte Auslosung und Intensivierung der Angst bis zur Krise um eines Eingeständnisses willen in eine Erzählbericht, Dialog und inneren Monolog verbindende Form. Die gedankenlose Müdigkeit ihrer Ehe läßt Irene Wagner trotz ihrer beiden Kinder ein Verhältnis mit einem jungen Musiker eingehen. Sie empfindet vor jedem Rendezvous, indem sie sich »über den Rand ihrer täglichen Gefühle« beugt, »diese erste Angst, in der doch auch Ungeduld« brennt; als aber eine Frau »mit massigem Körper», die ihre heimlichen Wege beobachtet hat, sie zu erpressen beginnt, verliert diese Angst den Reiz des angenehm Vibrierenden.

Sie fühlt sich mehr und mehr bedrängt. Ihr Mann versucht ihr zu helfen und gibt ihr ein Beispiel: er veranlaßt in ihrer Gegenwart ihre Tochter zum Geständnis eines kleinen Vergehens, um Nachsicht üben zu können. Irene Wagner entzieht sich diesem Weg; statt sich zu erklären, versucht sie sich Gift zu verschaffen – ihr Mann weiß sie zu hindern und klärt die Situation auf: die »Erpressung als Zwang des Gestehens« war seine Idee, um sie wiederzugewinnen.

Seit ich für eine Facharbeit in Deutsch die „Schachnovelle“ von Stefan Zweig gelesen habe, bin ich hin und weg von seinen Werken. Zwar kommt „Angst“ für mich Highlight-technisch nicht an die Schachnovelle ran, aber das ist okay.

Ein Highlight war das Buch trotzdem und konnte sich gegen zwei andere Bücher im Juni durchsetzen! (Auch wenn das Rennen jetzt nicht unbedingt knapp war.)

Das Buch ist zwar nur eine Novelle und an einigen Stellen nicht mehr unbedingt zeitgemäß, aber die Grundphilosophie ist extrem interessant. Die wachsende Angst der Protagonistin, die sie langsam immer weiter in den Wahnsinn treibt… gefällt mir. Find ich cool.

Mein Highlight, was dieses Buch anging, war allerdings ganz klar Stefan Zweigs Schreibstil. Sorry, aber der ist so verdammt gut. Nicht ganz Jonathan-Stroud-Level gut, aber verdammt gut. Allein dafür kann man die Novelle also schon lesen, wenn man will. Und man sollte wollen.

Okay, weiter geht’s!

August

Titel: „Rowan & Ash“ – Christian Handel

Klappentext:

Sein Weg? Vorherbestimmt! Seine Verlobung? Arrangiert! Seine Gefühle? Verboten! Tritt ein in eine Welt voll dunkler Magie und geheimer Sehnsucht!

Seit seinem dritten Lebensjahr ist Rowan O’Brien mit der Kronprinzessin von Iriann verlobt. Für seine Familie bedeutet die Heirat viel, versprechen sich die O’Briens mit der Verbindung doch eine Rückkehr an die Macht. Aber im Vorfeld der Hochzeit sorgen Gerüchte für Verstimmung: Rowans enge Freundschaft mit der gleichaltrigen Magierschülerin Raven wird von missgünstigen Stimmen aufgebauscht und großgeredet. Dabei empfindet Rowan nichts als Freundschaft für Raven. Die Wahrheit ist viel komplizierter: Rowan liebt keine andere Frau. Sondern den Königssohn Ash.

Mal ganz abgesehen davon, dass Christian Handel einer der freundlichsten deutschen Autoren überhaupt ist, sind auch noch seine Bücher der absolute Hammer. Zumindest die, die ich bisher gelesen habe.

Ein angenehmer Schreibstil, liebenswerte Charaktere, spannende Geschichten. Was will man mehr?

„Rowan & Ash“ ist für mich so ein Buch gewesen, das man einfach in einem Rutsch durchlesen wollte. Wobei „Red, White & Royal Blue“ und „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ das auch waren, aber nun gut.

Die Welt und auch die Geschichte waren echt toll und es hat Spaß gemacht, beide mit den Charakteren zu erkunden.

Apropos… Die Charaktere.

Es gab nur einen Hauptcharakter, von dem ich kein großer Fan war, alle anderen waren super und ich habe sie geliebt. Besonders Solánge. Meine Güte, sie war fantastisch. Ich könnte einen ganzen Blogpost nur über sie schreiben, aber bevor das passiert, machen wir doch lieber mal weiter.

September

Titel: „Festivalsommer – Ist Feiern genug?“ – Ina Taus, Katharina Wolf

Klappentext:

Als der 18-jährige Florentin im Garten seines Onkels nicht nur über ein rotes Kajak, sondern auch über den gleichaltrigen Jonas stolpert, gerät seine Welt völlig aus den Fugen. Mit seiner lockeren Art ist Jonas das genaue Gegenteil vom schüchternen Florentin. Trotzdem fühlen sie sich zueinander hingezogen. Doch leider hat die gemeinsame Zeit ein Ablaufdatum, denn Jonas will diesen Sommer nur: Festivals besuchen, viel Spaß, seine Probleme vergessen. Allerdings hat das Universum andere Pläne, denn das immer lauter werdende Herzklopfen und die aufkeimenden Gefühle machen nicht nur alles komplizierter, sondern auch einen Abschied unmöglich …

Dieses Buch habe ich witzigerweise im Urlaub angefangen, als ich eine Rheinfahrt gemacht habe und gerade in Mannheim war. („Festivalsommer“ fängt nämlich in Mannheim an. Haha. War cool.)

Die Story an sich war jetzt nichts, was mich noch bis an mein Lebensende begleiten wird und mich als Person irgendwie verändert hat, aber es war halt eine schöne, kleine Lovestory für zwischendurch. (Was mir nach ein paar der Enttäuschungen, die ich in den Monaten zuvor in mein Gehirn gepumpt habe, ganz gut getan hat.)

Die Charaktere sind alle gut ausgearbeitet und mir hat ganz besonders der Umgang mit den psychischen Problemen der Protagonisten sehr gut gefallen. Natürlich war das besonders bei Jonas ein großes Thema, aber auch Flo hat da mit ein paar Dingen zu kämpfen.

Und das Buch hat Triggerwarnungen! Yay! Das allein war schon ein Highlight für mich.

Falls ihr also Bock auf eine nette Sommerromanze habt, die etwas mehr als eine Sommerromanze ist, empfehle ich euch hiermit ganz offiziell „Festivalsommer – Ist Feiern genug?“. Und falls ihr am Ende dank des Cliffhangers einen Anfall kriegt (so wie ich), gibt es inzwischen auch den zweiten Teil der Dilogie. Von daher: Keine Panik.

Und last but not least:

Oktober

Titel: „Cold-Blooded: Der Geschmack von Blut und Schatten“ – Martin Gancarczyk

Klappentext:

Mit Anlauf in den größten Haufen Mist – nichts könnte Grayson Huffs Leben besser beschreiben. In einer Welt, in der Menschen wie Nutztiere gehalten werden, versucht der 28-jährige, als eben dieser zu überleben. Was allerdings nur bedingt klappt bei seinem Pech, denn er stirbt und erwacht gleich darauf wieder aus dem Reich der Toten. Etwas, das als Mensch jedoch unmöglich ist – richtig?

Doch Grayson ist kein Mensch, zumindest wenn er dem Gestaltwandler Wayland glauben darf, der für den Geheimdienst MIA arbeitet und ihn in Mysterien einweiht, von denen Grayson nicht mal zu träumen gewagt hat. Bald schon verstrickt er sich immer tiefer in Machenschaften, die bis zum Anbeginn der Zeit zurückreichen. Und dann wären da noch die aufkommenden Gefühle zu Wayland, die das Chaos perfekt machen.

Den ersten Teil der „Cold-Blooded“-Reihe (also dieses Buch hier) habe ich im Sommer zusammen mit „Rowan & Ash“ gekauft, bin aber erst im Oktober dazu gekommen, ihn zu lesen.

Und was soll ich sagen? Ich fand ihn super.

Martin Gancarczyk nimmt sowohl im „echten Leben“ als auch beim Schreiben kein Blatt vor den Mund, was ich echt toll finde. Generell ist sein Schreibstil sehr angenehm zu lesen, macht Spaß und ist nur an ein ganz paar Stellen für mein sanftes Gemüt etwas zu krass. (Kleiner Scherz. Oder doch nicht?)

Die Story an sich ist unglaublich spannend und die Charaktere machen alle einen riesigen Spaß. Allen voran natürlich Grayson, dessen Neunziger-Wahn es mir ja schon ein bisschen angetan hat. Aber wenn ich behaupte, dass nur er zu meinen Lieblingscharakteren gehört hat, lüge ich definitiv.

In diesem Roman war allerdings vermutlich das Worldbuilding mein absolutes Highlight. In Büchern stehe ich total auf Großstadt-Settings und generell solchen Kram, was witzig ist, da solche Orte mich im echten Leben total fertigmachen. Aber genug von mir.

Bei dieser Reihe freue ich mich schon sehr auf den nächsten Teil. Vielleicht wird der ja ein weiteres Highlight. Das wäre doch schön.

Fazit

Waren fast alle meine Highlights dieses Jahr Bücher, die LGBTQ+-Romanzen enthalten haben? Ähm. Ja. Fällt mir jetzt gerade auch auf.

Ob das was zu sagen hat? Höchstens, dass wir mehr gute Bücher mit heterosexuellen Liebesgeschichten brauchen! Und wenn wir schon dabei sind, sollte es auch noch mehr gute Bücher mit LGBTQ+-Romanzen geben. Damit ich noch mehr Highlights sammeln kann. Höhö.

Nun gut. Das war also mein Lese-Highlight-Rewind 2020. Ich hoffe, es hat euch ein bisschen gefallen. Vielleicht habt ihr ein paar neue Bücher kennengelernt, die ihr lesen möchtet. Wer weiß.

Und hiermit verabschiede ich mich für dieses Jahr von diesem Blog, da der nächste Beitrag erst 2021 kommen wird. Ist das nicht komisch? Ich find’s komisch. Na ja, macht es gut, meine Leute. Trinkt genug Wasser, streichelt genug Tiere, genießt euer Leben.

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